plc News: Das Fin­fraG geht alle Unter­neh­men an

Das Finanz­markt­in­fra­struk­tur­ge­setz (Fin­fraG) gehört sicher­lich nicht zu den belieb­tes­ten Geset­zen, wel­che in den letz­ten Jah­ren die Unter­neh­men beglückt haben.

Trotz­dem muss man sich mit die­sen Vor­ga­ben beschäf­ti­gen, denn der Kreis der betrof­fe­nen Unter­neh­men ist (all)umfassend.

Das Fin­fraG gilt für alle im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­nen Unter­neh­men – und somit nicht nur für Gesell­schaf­ten der Finanz­in­dus­trie. Die aller­meis­ten Gesell­schaf­ten wer­den dabei in die Kate­go­rie der soge­nann­ten klei­nen, nicht­fi­nan­zi­el­len Gegen­par­tei­en fal­len (soge­nann­te NFG-Minus oder NFG-). Aus­nah­men bil­den Gesell­schaf­ten der Finanz­bran­che oder aber Gesell­schaf­ten mit mil­li­ar­den­schwe­ren Deri­vate­po­si­tio­nen in ihren Geschäfts­bü­chern. Betrof­fe­ne Unter­neh­men der Kate­go­rie NFG-, wel­che kei­ne deri­va­ti­ven Finanz­ge­schäf­te täti­gen und dies in Zukunft auch nicht vor­ha­ben, kön­nen durch einen Ent­scheid ihres obers­ten Lei­tungs­gre­mi­ums die Pflich­ten im Zusam­men­hang mit dem Fin­fraG abwen­den und haben kei­ne wei­te­ren Hand­lungs­pflich­ten. Die­se «Exkul­pa­ti­on » gilt selbst­ver­ständ­lich nur bis zum Ein­ge­hen einer Deri­va­te-Trans­ak­ti­on und muss vom obers­ten Lei­tungs­or­gan ent­spre­chend über­wacht wer­den.

 

Pflich­ten für Unter­neh­men, wel­che unter das Fin­fraG fal­len

Unter­neh­men der Kate­go­rie NFG-, wel­che Deri­vat­ge­schäf­te täti­gen, haben gemäss Fin­fraG fol­gen­de vier Pflich­ten:
• Kon­trol­le der Schwel­len­wer­te (d.h. sicher­stel­len, dass man eine NFG-Gesell­schaft ist und bleibt)
• Risi­ko­min­de­rung (wich­tig vor allem bei einer hohen Anzahl an Deri­vat­trans­ak­tio­nen)
• Mel­de­pflich­ten (Offen­le­gung von mel­de­pflich­ti­gen Deri­vat­trans­ak­tio­nen im zen­tra­len Regis­ter)
• Doku­men­ta­ti­ons­pflich­ten (der oben genann­ten drei Pflich­ten)
Die offen­sicht­lichs­te der vier Pflich­ten ist die Mel­de­pflicht. Tat­säch­lich ist jedoch nur ein Deri­vat an das zen­tra­le Regis­ter zu mel­den, wenn die Gegen­par­tei kei­ne Schwei­zer Bank ist. In die­ser Hin­sicht dürf­te die Pflicht für vie­le Unter­neh­men durch ihre Bank erle­digt wer­den. Hier emp­fiehlt es sich, mit der Gegen­par­tei, falls die­se kei­ne Schwei­zer Bank ist, ent­spre­chen­de Abklä­run­gen betref­fend die Aus­füh­rung der Mel­dung zu tref­fen.

 

Deri­vate­be­griff nach Fin­fraG

Nicht alle deri­va­ti­ven Finanz­in­stru­men­te wer­den gemäss Fin­fraG auch wirk­lich als Deri­va­te behan­delt. Wäh­rend die klas­si­sche Absi­che­rung von Wäh­rungs­schwan­kun­gen den Deri­vat­cha­rak­ter erfüllt, tun dies Waren­ter­min­kon­trak­te, wel­che phy­sisch abge­wi­ckelt wer­den, nicht. Sol­che Kon­trak­te fal­len dem­entspre­chend nicht unter den Deri­vate­be­griff nach Fin­fraG. Im Zwei­fels­fall soll­te man bei einem Deri­vat, wel­ches sich nicht ein­deu­tig ein­ord­nen lässt, die Klas­si­fi­ka­ti­on unter dem Fin­fraG mit Hil­fe der Gegen­par­tei oder einer Fach­per­son bestim­men.

Neben den «klas­si­schen» Unter­neh­men, wel­che Deri­va­te im Ein­satz haben, könn­ten vor allem auch Stif­tun­gen mit umfang­rei­chen Ver­mö­gens­an­la­gen Mehr­auf­wand mit dem Fin­fraG erhal­ten. Nicht sel­ten fin­det sich in den – teil­wei­sen nam­haf­ten – Port­fo­li­os die­ser Gebil­de auch das eine oder ande­re Deri­vat – mit den oben genann­ten Kon­se­quen­zen.

 

Auf­ga­ben der Unter­neh­mens­füh­rung im Zusam­men­hang mit dem Fin­fraG

Die Unter­neh­mens­lei­tung hat vor­gän­gig die Auf­ga­be, die Fra­ge zu klä­ren, ob und wel­che deri­va­ti­ven Finanz­in­stru­men­te in ihrer Orga­ni­sa­ti­ons­ein­heit zum Ein­satz kom­men. Im Sin­ne einer kon­stan­ten Über­wa­chung des The­mas wäre ein fixer Punkt im jähr­li­chen Sit­zungs­ka­len­der des obers­ten Leis­tungs­gre­mi­ums zu emp­feh­len. Kom­men jedoch deri­va­ti­ve Pro­duk­te in der Unter­neh­mung zum Ein­satz, kommt das obers­te Lei­tungs­gre­mi­um nicht um eine ent­spre­chen­de Auf­sicht der Umset­zung der rele­van­ten Vor­ga­ben umhin. Die Ver­ant­wor­tung dazu hat ihm der Gesetz­ge­ber ent­spre­chend auf­ge­tra­gen. Unab­hän­gig von der Grös­se oder aber der Bran­che der Gesell­schaft.

 

Marc Arnet, Dezem­ber 2018

Arti­kel erschie­nen in der Unter­neh­mer­zei­tung 11–12 | 2018

 

 

 
18/02/2019

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